Morgens ist man oft unruhig. Noch bevor man aufgestanden ist, rattert das Gehirn schon – es malt sich Probleme aus, malt Gespräche durch und geht im Kopf die Liste all dessen durch, was heute schiefgehen könnte.

Morgenangst lässt sich nicht durch Nachdenken überwinden. Aber man kann sie durch Rituale bewältigen.

Angst lebt in der Zukunft. Dein Gehirn projiziert voraus, simuliert Bedrohungen und bereitet sich auf Kämpfe vor, die noch gar nicht stattgefunden haben. Das Gegenmittel ist nicht positives Denken, sondern die Konzentration auf den gegenwärtigen Moment. Weg von der Zukunft, zurück ins Hier und Jetzt.

Ein Kaffeeritual zwingt zur Achtsamkeit. Beim Mahlen der Bohnen konzentriert man sich ganz aufs Mahlen – und nicht etwa auf das Verfassen einer E-Mail im Kopf. Beim Beobachten der ersten Tropfen, die in die Tasse fallen, genießt man sie – und nicht etwa das Durchspielen eines schwierigen Gesprächs. Die körperliche, sinnliche Erfahrung des Rituals holt einen aus dem Alltagstrubel heraus.

Das ist keine Zauberei. Das ist Neurowissenschaft. Wenn du deine Sinne einsetzt, aktivierst du andere Hirnregionen als beim Grübeln. Je öfter du das übst – immer dasselbe Ritual, dieselbe Abfolge, jeden Tag zur selben Zeit –, desto mehr lernt dein Gehirn, den Morgen mit Ruhe statt mit Chaos zu verbinden.

Dein Ritual wird die Angst nicht beseitigen. Aber es kann einen Puffer schaffen. Ein paar Minuten geerdeter Präsenz, bevor der Tag richtig losgeht. Eine Erinnerung, die fester Bestandteil deines Morgens ist, dass du nicht jeden Moment in deinen Gedanken verbringen musst.

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